Test: Bloodborne

Hidetaka Miyazaki und From Software, die Entwickler der legendären Action-Rollenspiele Kings Field, Demon´s Souls sowie Dark Souls I & II, präsentieren gemeinsam mit Sony Computer Entertainment Deutschland den neuesten Exklusivtitel für die PlayStation 4

Betritt die verfallende Stadt Yharnam, in deren Straßen sich eine bedrohliche Krankheit wie ein Lauffeuer ausbreitet. Die „Bestien-Krankheit“ hat die Stadt unter Kontrolle und verwandelt friedliche Bürger in blutrünstige und tödliche Kreaturen. Jede Nacht findet in Yharnam die Bestienjagd statt und erfüllt die Straßen mit dem Gestank von Blut und Tod. Inmitten des Chaos bestreitet der Spieler als neuerkorener Jäger einen dauerhaften, grausamen Kampf ums Überleben. Dabei versucht er den Ursprung der Krankheit ausfindig zu machen um die Geheimnisse der Stadt zu lüften. Er stellt sich seinen geheimsten Ängsten und besucht Yharnam, eine Stadt in der hinter jeder Ecke der nächste geisteskranke Mob oder das nächste albtraumhafte Wesen lauern könnte.

Bloodborne Screenshot

Bloodborne ist nichts für schwache Nerven! Denn genau wie in den geisteigen Vorgängern (Demon´s/Dark Souls I+II) ist auch in diesem Spiel der Tod euer stetiger Begleiter. Ihr werdet sterben und sterben und sterben… Kaum habe ich meine Spielfigur erstellt, womit man sich mit dem schönen Editor auch gerne mal eine halbe Stunde beschäftigen kann, sterbe ich nach nicht einmal fünf Minuten einen von den Entwicklern absichtlich provozierten Tod. Wie soll man es auch mit blanken Fäusten mit einem ausgewachsenen Lykaner aufnehmen? Und so erwachen wir im sogenannten Traum des Jägers, dem Zentrum des Spiels. Wirklich viel los, scheint hier allerdings noch nichts zu sein, denn alle Türen sind verschlossen, diese seltsame Puppe liegt regungslos da und auch die Wasserbecken scheinen keinem sichtbaren Zweck zu dienen. Doch was ist das? Diese komischen kleinen Geisterwesen aus dem Intro erscheinen aus dem Boden und lassen mich als Begrüßungsgeschenk zwischen einigen Waffen wählen. Und als wäre dies nicht schon nett genug, darf ich mich auch noch zwischen einer Schrotflinte und einer Pistole für eine Zweitwaffe entscheiden. Womit wir warscheinlich bei einer der größten Erneuerungen im Spiel sind – die Schusswaffen. Es gab zwar auch in den „Vorgängern“ Bögen und Armbrüste, doch sind die Schießprügel in Bloodborne ein wichtiger Bestandteil des Spiels. Denn mit gutem Timing können wir Gegner durch einen Schuss ins Taumeln bringen und anschließend mit dem sogenannten Eingeweideangriff verdammt großen Schaden anrichten.

Dies erfahren wir übrigens durch ein paar spärlich verteilte Tutorial-Geisternachrichten auf dem Boden. Genau wie die Tatsache, dass wir unsere Nahkampfwaffe auf Knopfdruck in eine Stärkere Variante transformieren können. Mein Axt zum Beispiel wächst auf die doppelte Größer heran, muss dann allerdings mit beiden Händen gehalten werden. Dass sich diese Transformation flüssig in eine Angriffskette einbinden lässt, finde ich nach einigen Versuchen selbst heraus. Denn bis auf die Tastenbelegung selbst und zwei kleine Anmerkungen, verrät uns das Spiel eben typisch From Software rein gar nichts! Alles müssen wir uns selbst erarbeiten. Niemand nimmt uns an die Hand und sagt wohin wir gehen, was wir machen sollen. Das alles liegt beim Spieler selbst. Aha dieser Grabstein leuchtet -> wähle einen Ort -> noch gibt es nur einen. Ich habe wohl keine andere Wahl und so stehe wieder diesem Lykaner gegenüber, welcher mir auch trotz der neuen Waffen noch ein paar gehörige Schellen verpasst. Schnell wird mir klar was mir die zweite Nachricht mit „hole dir einen Teil deiner Gesundheit mit Gegenangriffen zurück“ sagen wollte. Werde ich von einem Gegner getroffen, bleibt ein großer Teil des Schadens erst einmal in einer Art Schwebemodus und ich kann mir je nach Stärke des Angriffs mit jedem Schlag der den Gegner trifft einen Teil davon zurückholen. Warte ich allerdings zu lange, verfällt die Lebensenergie auf Reserve wieder. Dies stellt wohl den Ersatz der ansonsten immer lebenswichtigen Schilden aus den „Vorgängern“ dar. Man kann zwar auch hier einen Schild finden, doch ist das bei weiten nichts Vergleichbares.

Bloodborne Screenshot

Wir merken also, dass das Kampfsystem deutlich actionlastiger und neben dem Ausweichen  der Angriff die beste Verteidigung ist. Wer bei den zum Teil größeren Gegnergruppen zu lange zögert, wird einfach sterben. Zu einem Hack n´ Slay wird Bloodborne dadurch aber noch lange nicht, denn Taktik und Strategie stehen immer noch im Vordergrund und jeder Soul-Fan (zu denen ich definitiv gehöre) sollte sich spätestens nach einer kurzen Umgewöhnungszeit wieder heimisch fühlen. Das viktorianische Setting und das Kampfsystem mögen sich zwar von den Mittelalter geprägten Souls-Spielen unterscheiden, nichtsdestotrotz finden sich die geistigen Vorgänger an allen Ecken des Spiels wieder. Leuchtfeuer sind jetzt Lampen. Seelen heißen nun Blutechos und sind immer noch die Währung womit wir Levelaufstiege oder jegliches Zeug beim Händler bezahlen. Wenn wir sterben bleibt unser sauer verdientes „Geld“ auf der Straße liegen und wir müssen uns wieder genau zu diesem Ort vorkämpfen und es aufsammeln. Sterben wir bei dem Versuch, sind die Echos für immer verloren. Neu ist allerdings dass die Gegner unsere Blutechos in manchen Fällen aufsaugen können und wir sie erst zurück erhalten, wenn wir diesen bestimmten Gegner töten. Altbekannt dagegen die Nachrichten, welche überall in der Welt verstreut von echten Spielern angefertigt werden und dich auf eventuelle Gefahren hinweisen oder dich in die Irre führen wollen. Gute Nachrichten kann man bewerten und dem Verfasser somit promt einen Gesundheitsboost zukommen lassen. Es lohnt sich also auch selbst aktiv zu schreiben, da dieser Gesundheitsschub zum Beispiel lebensrettend in Bosskämpfen sein kann.

Zahlreiche andere Dinge könnte ich jetzt noch aufzählen, verzichte an dieser Stelle allerdings darauf. Denn Bloodborne ist genau wie seine geistigen Vorgänger ein Spiel, das man einfach selbst erleben muss. Dieses Mysterium wächst warscheinlich in jedem Kopf etwas anders heran. From Software ist ja nicht gerade für plakatives Storytelling bekannt. Hier und dort erfährt der Spieler etwas, sieht etwas, trifft Charaktere, entscheidet sich ob er sie bekämpft, ihnen hilft usw. Alles baut sich im Kopf des Spielers nach und nach selbst auf und bietet verdammt viel Platz für Interpretationen. Das mögen nun einige genau wie den extrem hohen Schwierigkeitsgrad als Schwäche bemängeln, doch glaubt mir, sobald euch auch nur einmal dieser Charme eingefangen hat, lässt er euch nicht mehr los. Es gibt so viel zu entdecken, viele Anpassungsmöglichkeiten für deine Waffen (z.B Kriegshammer, Gewehrspeer, göttliche Schwerter oder elektrische Morgensterne) und den Charakter durch die neuen Runen und das bekannte Belohnungssystem in Form von freigeschalteten Abkürzungen nach stundenlangen Kämpfen durch die Gegnerhorden. Und dann gibt es da noch die Kelch-Kerker…

Bloodborne Screenshot

Tief unter den verwinkelten Straßen Yharnams verbirgt sich ein Geflecht längst vergessener Ruinen und Höhlen. Mutige Jäger können durch spezielle Kelch-Rituale Zugang zu den finsteren Tunneln erlangen und sich immer wieder neuen Herausforderung stellen. Denn kein Kerker ist wie der andere. Bei bestimmten Kerkern wird sogar die Architektur der Höhlen, die Gegner sowie deren Position neu und zufallsgeneriert berechnet, um den Spieler jedes Mal aufs Neue vor eine unbekannte Herausforderung zu stellen. Dazu gesellen sich hinterlistige Fallen, furchteinflößende Bossgegner und seltene Schätze sowie Gegenstände. Die Kerker können entweder alleine oder kooperativ mit weiteren Spielern gleichzeitig erkundet werden. Des Weiteren können die zufällig generierten Kerker mit Freunden geteilt werden, um deren Können auf die Probe zu stellen. Apropos „kooperativ“, auch in Bloodborne können wir wieder anderen Spielern helfen oder uns von bis zu drei anderen Spielern helfen lassen. Bis jetzt ist das System allerdings noch etwas fehlerbelastet und man wartet zum Teil vergeblich auf Hilfe. Vor allem ist es ärgerlich, da man hier beim Rufen nach Hilfe Einsichtspunkte verliert, welche man nicht gerade an jeder Ecke erhält. Hier hilft es wenn man in den Einstellungen Region auf „weltweit“ stellt. Außerdem klappt das gezielte Rufen von Freunden mit Hilfe von Passwörtern nicht richtig. Hier muss dringend noch einmal nachgebessert werden. Der Nervenkitzel das man übrigens jederzeit von feindlichen Phantomen angegriffen werden kann, gehört leider der Vergangenheit an.

Pro

  • Atmosphärische Grafik, viele Details & zauberhafte Monster
  • Forderndes Gameplay mit komplexem Kampfsystem
  • Fantastischer Sound, erstmals deutsch synchronisiert
  • Großer Umfang und schier unendliche Spielzeit dank den Kelch-Dungeons

Contra

  • ...aber zum Teil lange Ladezeiten
  • ...mit kleinen Aussetzern bei der Kollisionsabfrage
  • Multiplayer-Feature bedarf noch etwas Nacharbeitung
Die perfektionierten Stärken der Souls-Spiele kombiniert mit dem schnelleren Gameplay-Ansatz und den Schusswaffen ergeben zusammen mit dem viktorianischen Setting ein ausgezeichnetes Hardcore-Rollenspiel mit gewohnt enormen Umfang. Bloodborne bietet so viele Gemeinsamkeiten mit der Souls-Reihe, dass sich jeder Fan heimisch fühlen sollte und dennoch außreichend Eigenständigkeit, um neben der Reihe parallel existieren zu können. Das neue Runen und Waffenverstärkungssystem gefallen zwar sehr gut, doch vermisse ich die Aufwertung der Rüstungen, mehr Waffen und Rollenspiel-Aspekte wie den Gewichtseinfluss. Aber dies ist nur meckern auf höchstem Niveau und genau wie die Antwort auf die Frage „welches Setting das bessere ist“ eine Sache des Geschmacks. Ausschlaggebend für die Verwehrung der vollen 10 Punkte ist die nach wie vor fehlerhafte Kollisionsabfrage, Probleme mit der Kamera in hektischen Situationen und mit dem Koop-Feature.
9.5

Ausgezeichnet

James_Pinarrow
Betreiber von Pinarrow.TV. Arbeitet seit 2008 als selbstständiger Journalist und Blogger, bevor er sich 2011 dazu entschied aufgrund seiner Erfahrungen als Grafik- & Webdesigner ein eigenes Online-Magazin (ursprünglich unter dem Titel "Gam3-News") zu gründen. Seit dem versorgt der leidenschaftliche Videospieler und Filmliebhaber die Community ohne finanzielle Interessen mit den aktuellsten News und Kritiken im Bereich Games, Kino, Serien sowie DVD & Bluray Releases.

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