Test: Lords of the Fallen (PS4)

Die Rebellion gegen eine unvorstellbar grausame Macht und die Hoffnung, die im entlegensten Winkel der Welt erwacht, stellen das Rückgrat der Geschichte um die raue Welt von Lords of the Fallen dar, in der die Menschen ihre Götter vernichtet haben. In dieser unbarmherzigen Welt, die keine Sünde vergisst, lebt Harkyn, ein verurteilter Verbrecher, dem die Möglichkeit der Vergebung zu Teil wird. Gerade als die Könige der Welt kurz davor waren, all das Böse auf ewig zu verbannen, wurde die Menschheit von den Rhogar, einer scheinbar längst vernichtet geglaubten Dämonenarmee angegriffen. Angeführt von den „Lords of the Fallen“, Generälen des gefallenen Gotts, führt die finstere Armee des Bösen die Welt an den Rand eines grausamen Krieges. Frisch aus dem Gefängnis entlassen, sind Harkyn und sein Mentor Kaslo die einzige Hoffnung der Menschheit, um diesen Krieg zu verhindern. Harkyn wird den Kampf unerbittlich zu den Rhogar tragen, mitten ins Herz des dämonischen Reiches…

Lords of the Fallen Test

Ich glaube kaum ein anderes Spiel hat in den letzten Wochen für mehr Gesprächsstoff gesorgt, als das von der deutschen Entwicklerschmiede Deck 13 und CI Games entwickelte Action-RPG Lords of the Fallen. Relativ früh nach der Ankündigung des Titels wurde bereits bewusst, dass sich der Titel mit seinem Gameplay-System stark an den Erfolgstiteln der Souls-Reihe orientieren wird. Bockschwere Kämpfe selbst mit niedersten Kreaturen, in welchen ausweichende Rollen und das Blocken mindestens genauso wichtig wie die perfekt getimten Angriffe sind. Dieses System, das Spieler mit einer hohen Frustresistenz voraussetzt, ist neben einigen anderen Aspekten einer der wichtigsten Bestandteile der seit 2011 existierenden Souls-Spiele und brachte der Reihe den Titel des Hardcore-Action-RPGs ein. Doch leider vergehen immer wieder ein paar Jahre bis Nachschub in Form eines neuen Ablegers erscheint, sodass Fans auf dem Trockenen sitzen. Und so wurde aus Lords of the Fallen der erste Titel, der diese Lücke zu schließen versuchte.

Da wir natürlich von edlen Absichten der Entwickler ausgehen, gehen wir davon aus, dass Deck 13 und CI Games einfach nur das winzig kleine Genre der Hardcore-Action-RPGs um einen weiteren Titel bereichern wollte, anstatt einfach nur ein erfolgreiches Produkt zu kopieren. Denn Lords of the Fallen einfach als eine Kopie von der Souls-Reihe zu bezeichnen, nur weil es teilweise gleiche Gameplay-Elemente vorweist, wäre schlichtweg gelogen. Man bezeichnet Uncharted ja auch nicht als Gears of War-Klon, nur weil es sich bei beiden Spielen um Deckungsshooter handelt oder? Klar ist allerdings, dass sich sowohl die Souls-Spiele als auch Lords of the Fallen in ihrer Mittelalter-Thematik gleichen und durch die allgemein nicht vorhandenen anderen Konkurrenz-Titel in diesem Genre einfach zwangsweise miteinander verglichen werden. Doch was ist gleich? Was ist anders? Was ist besser oder was ist schlechter?

Lords of the Fallen Test

Lords of the Fallen macht einiges richtig: Das Kampfsystem gehört zu den großen Stärken des Spiels. Verschiedene Movesets abhängig von der getragenen Waffe und Rüstung, lassen viele Freiheiten für den ganz persönlichen Stil. Die Kämpfe sind zwar ansich etwas leichter als bei der Konkurrenz und somit mehr für Einsteiger geeignet, doch immer noch deutlich davon entfernt „einfach“ zu sein. Der Spieler muss die Bewegungsmuster der Gegner erkennen und mit gut getimten Schlägen kontern. Da sich die Tastenbelegung ebenfalls an den Souls-Spielen orientiert, werden sich Kenner schnell zu­recht­fin­den. Doch auch Neulinge sollten sich mit ein bisschen Konzentration und der gewissen Portion Geduld zurechtfinden. Wer einfach drauflos stürmt, der wird sterben. Dies sollte man tunlichst vermeiden, denn wer stirbt verliert an Ort und Stelle all seine Erfahrungspunkte und muss diese in einer bestimmten Zeit wiedererlangen – allerdings ohne nochmal zu sterben, denn dann sind sie für immer weg. Man könnte die Erfahrungspunkte zwar jederzeit an einem Speicherstein ausgeben, doch jetzt kommt der Clou: Je länger man sich von einem Speicherpunkt fernhält und Gegner tötet ohne zu sterben, desto größer wird der Erfahrungsbonus pro getötetem Gegner. Dies sorgt natürlich für zusätzliche Motivation…oder Frust!

Außerdem loht es sich wachsam zu sein. Denn viel Loot in Form von Waffen und Ausrüstungsgegenständen sorgen bei gründlichen Spielern für einige Abstecher neben den vorgegebenen Wegen in der zwar nicht sehr abwechslungsreichen, aber detaillierten Welt von Lords of the Fallen. Mit seinem schönen, etwas comichaften Artdesign und den fatastischen Lichteffekten gehört Lords of the Fallen definitiv zu den grafisch schöneren Titeln. Kleine Info am Rand: Wer die Endgegner unter bestimmten Voraussetzungen killt, kann sich über mächtige Belohnungen freuen.

Lords of the Fallen Test

Doch leider macht macht Lords of the Fallen auch vieles falsch: Allem voran die verdammt langweilige Story. Im Gegensatz zur Souls-Reihe bei der es keine wirklich präsentierte Story mit einem unbekannten „Helden“ gibt, haben wir es hier mit einem vordefinierten Charakter samt eigener Geschichte zu tun. Genau das hätten die Entwickler von Deck 13 ausnutzen müssen, um uns eine packende Abenteuergeschichte des Helden mit dunkler Vergangenheit zu präsentieren. Doch leider bleibt nicht nur unser Charakter Harkyn und seine Hintergründe ziemlich blass, sondern auch alle anderen Figuren und die ganze Geschichte ansich sind so langweilig geschrieben, dass zumindest Story-technisch kaum Motivation zum Weiterspielen besteht. Die Dialoge zwischen uns und den wenigen Nebenfiguren sind so plump, dass selbst Steven Seagal sie in keinem seiner Filme verwenden würde. Hinzu gesellen sich Bugs wie Tonaussetzer während der Dialoge, Kamera-Probleme in engen Gängen und Fehler bei der Kollisionsabfrage. Während der rund 20 Stunden bis zum Ende ist das Spiel ganze 4x abgestürzt, einmal ziemlich gegen Anfang des Spiels musste ich nach einem Absturz sogar eine knappe drei-viertel Stunde wiederholen.

Außerdem konnte mich das einfach gestrickte Skillsystem mit den wenigen, teilweise langweiligen Zaubern ebenso wenig begeistern, wie der Zauberhandschuh als einzige Fernkampfwaffe mit seinen eher unbedeutenden Anpassungsmöglichkeiten. Bei beiden Features fehlte mir einfach das richtige Balancing, um sie als essentiell für das Speilerlebnis zu bezeichnen. Selbst die zu Beginn noch wichtig wirkenden Runen verlieren schnell ihren Reiz, sobald man von den für sich benötigten Runen relativ früh die beste Variante besitzt. Wem die Zauber allerdings zufrieden stellen, darf sich im NG+ einer weiteren der drei möglichen Kategorien zusätzlich zu der aus dem ersten Durchgang widmen.

Pro

  • Komplexes Kampfsystem
  • Viele Waffen und Rüstungsteile
  • Schöne Grafik mit vielen Details

Contra

  • ...mit Kameraproblemen
  • ...doch langweiliges Skillsystem
  • ...leider zu viele Bugs
  • Story, Figuren und Dialoge langweilig
Wie bereits erwähnt macht Lords of the Fallen einiges richtig und einiges verdammt falsch. Das fantastische Gameplay mit seinen individuellen Movesets, die Berücksichtigung des Gewichts sowie der Anforderungen und jede Menge Loot verpackt in einer schön detaillierten Spielwelt sind ein wahres Fest für jeden Rollenspieler. Würde die Story nur nicht so dermaßen banal sein und die vorhandenen Bugs für Unmut sorgen, hätte ich warscheinlich sogar ein New Game Plus gestartet. Denn wenn Lords of the Fallen erstmal ohne Macken läuft, macht es ohne Frage ne Menge Spaß und konnte auch ohne das Niveau der Souls-Reihe zu erreichen, zumindest bei mir eine kleine Lücke füllen. Natürlich hoffe ich als Deutscher, dass die heimischen Entwickler von Deck 13 nicht aufgeben, aus ihren Fehlern lernen und uns mit dem hoffentlich erscheinenden zweiten Teil einen wirklich erstklassigen Titel liefern werden.
7.2

Gut

James_Pinarrow
Betreiber von Pinarrow.TV. Arbeitet seit 2008 als selbstständiger Journalist und Blogger, bevor er sich 2011 dazu entschied aufgrund seiner Erfahrungen als Grafik- & Webdesigner ein eigenes Online-Magazin (ursprünglich unter dem Titel "Gam3-News") zu gründen. Seit dem versorgt der leidenschaftliche Videospieler und Filmliebhaber die Community ohne finanzielle Interessen mit den aktuellsten News und Kritiken im Bereich Games, Kino, Serien sowie DVD & Bluray Releases.

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