Test: Mario Party 10

Release: Genre: USK: Entwickler: Publisher:

Auch wenn der erste Wii U-Titel der Reihe mit der Nummer 10 daherkommt, handelt es sich doch tatsächlich schon um den dreizehnten Ableger der beliebten Partyspiel-Reihe. Für viele Gamer nur noch Ausschlachtung einer Kult-Marke, welche schon längst ihren Zenit überschritten hat. Ob dem wirklich so ist oder Teil 10 endlich mal wieder für frischen Wind sorgt, erfahrt ihr in unserem Test.

1999 sorgte das Spiel Mario Party von Hudson Soft auf der N64 für so etwas wie eine Revolution in Sachen Partyspiel. 4 Spieler konnten zwischen 6 Figuren wählen und in einer Art Brettspiel gegeneinander antreten. Das Besondere daran war allerdings die Tatsache, dass dieses übergeordnete Brettspiel nur ein Teil einer größeren Spielesammlung darstellte. Nachdem jede Spielfigur gewürfelt hatte, wurde mit Hilfe eines Zufallgenerators eins von zahlreichen Minispielen ausgewählt und die Spieler traten je nach Spiel in Teams oder alle gegeneinander an. Dabei konnte man die aus Mario bekannten Münzen gewinnen und mit diesen anschließend Sterne kaufen, welche wiederum für den Sieg ausschlaggebend waren. Nicht nur die Tatsache, dass die ganzen verschiedenen Spiele jede Menge Abwechslung boten, sondern dass eigentliche Konkurenten plötzlich in einem Team zusammen spielen mussten, sorgte für jede Menge Spaß und legte den Grundstein für ein seit jetzt 16 Jahren existierendes Kult-Franchise von Nintendo.

Mario Party 10

Doch was passiert zwangsweise, wenn man fast jedes Jahr einen weiteren Ableger rausbringt und lediglich ein paar neue Items, Sonderfelder, Figuren und alte Gameplay-Mechaniken in andere Settings integriert? Richtig, erst einmal steigt die Qualität. Doch nur bis man irgendwann den Punkt erreicht hat, an dem es nicht mehr ausreicht, nur noch eine Art Update der Vorgänger zu präsentieren. Und so kam nach knapp fünf Jahren Abstinenz mit Mario Party 9 der erste Teil der Marke auf den Markt, der nicht mehr von Hudson Soft sondern von Nd Cube produziert wurde. Mit der Integration eines neuen Konzepts versprach man uns endlich den lang erhofften frischen Wind. Doch leider erwies sich dieses System, bei dem aus irgendeinem wirklich nicht nachvollziehbaren Grund alle Spieler in ein und das selbe Fahrzeug verfrachtet wurden, welches die Spieler dann abwechselnd steuern, in meinen Augen als totaler Reinfall. Man nahm den Spielern somit nicht nur die Möglichkeit sich selbst über das Spielfeld zu manövrieren, sondern allgemein das Prinzip der freien Entscheidung, da die Spielbretter nun nicht mehr rund, sondern linear mit einem Anfang und Ende ausgestattet waren. Als wäre dies nicht noch schlimm genug, strich man auch noch komplett die Münzen aus dem Spiel. Frische Ideen hin oder her, für mich war dies damals ein herber Rückschritt, der das Spiel mal abgesehen von den Minispielen, Gameplay-technisch weit hinter das erste Mario Party von 1999 (!) katapultierte.

Für mich hätte Nd Cube nie wieder Hand an ein Mario Party Spiel anlegen dürfen, dennoch entschied man sich bei Nintendo trotz großem Unmut in der Fangemeinde über das neue System wieder für das selbe Team, dass das bis dato schlechteste Mario Party (Handheld-Titel außen vor) entwickelt hatte. Eigentlich könnte ich diesen Artikel an dieser Stelle beenden, den geändert hat sich rein gar nichts! Auch in Teil 10, der zwar jetzt in schöner HD-Grafik daherkommt, sitzen alle Spieler wieder im selben „Boot“. WARUM!? Wer zum Teufel kam auf diese bescheuerte Idee und warum hat man diese dann auch noch im ganzen Team akzeptiert? Alles klar man entschied sich gegen runde Spielbretter und die Möglichkeit die Anzahl der Runden festzulegen und wollte stattdessen lineare Karten mit anschließendem Bosskampf. Ansich ne gute Idee, warum nicht? Aber warum darf sich nicht trotzdem jeder Spiel selbst bewegen, den Endgegner erreichen und versuchen alleine gegen ihn anzutreten. Sollte er scheitern, freut sich der nächste Spieler über seine Chance. So hätte es zum Beispiel funktionieren können. Und auch die Münzen bleiben weiterhin im Jenseits. Hauptsache nicht zu viele Features ins Spiel integrieren, Sterne bekommt der Spieler einfach so…

Mario Party 10

Wisst ihr was das Allerschlimmste ist? Im neuen „amiibo Party“-Modus gibt es die alten Regeln ja tatsächlich wieder. Aber warte mal amiibo? Ja diese bahnbrechende Spielfiguren-Idee, welche den Eltern im Zeitalter von Skylanders und Disney Infinity noch mehr Geld aus den Taschen ziehen und das Spielgefühl um ein haptisches Element außerhalb des Bildschirms bereichern soll. Haben nun alle der möglichen 4 Spieler eine dieser Figuren, können sie auf nicht einmal 30 Feldern großen Brettern ohne Abzweigungen nach den alten Regeln, sprich jeder läuft für sich und man erkauft sich Sterne durch Münzen, spielen. Mal abgesehen von den winzig kleinen Maps, dass nicht einmal alle amiibo-Figuren unterstützt werden und man ständig das Touchpad herumreichen muss (jeder Spieler muss seine Figur zum Würfeln auf den Sensor stellen) ist die größte Frechheit also die, dass man dazu gezwungen wird diese Figuren zu besitzten, um wenigstens ansatzweise in den Genuß der vermissten Regeln zu kommen.

Doch kommen wir zum zweiten neuen Spielmodus – die „Bowser-Party“. Hierbei handelt es sich um einen 4vs1-Modus für 5 Spieler, in welchem ein Spieler in die Rolle von Bowser schlüpft und die Helden daran hindern muss, den Stern am Ende des Spielbretts zu erhalten. Eine fantastische Idee, vor allem weil dadurch endlich mal das Touchpad zum Einsatz kommt, welches bei dem normales Modus lediglich als Anzeige dient. Bowser benutzt also das Touchpad, um damit zum Teil verdeckte Entscheidungen zu fällen, speziefische Aktionen wie die Bewegungssteuerung auzuführen oder ins Mikrofon zu pusten, um riesige Feuerbälle auf die Spieler zu spucken. Aber bevor es zu einem Minispiel kommt, muss Bowser die Gruppe erst einmal einholen. Und hier macht der gemeinsame Wagen endlich wirklich Sinn, da die Spieler im Team arbeiten und mit den Würfeln der einzelnen Spieler gemeinsam so weit wie möglich davon laufen müssen. Leider leidet dieser großartige Modus unter den nur gefühlten fünf Spielen, die sich ständig wiederholen und vor allem daran, dass diese wie das Würfelsystem vollkommen unausbalanciert sind. Fast alle von den Spielen werden von den Spieler gegen Bowser gewonnen.

Mario Party 10

Auf den eigentlichen Modus muss ich eigentlich nicht mehr eingehen. Zum Teil wirklich tolle Minispiele, verlieren sich in dem neuen Regelwerk, dass einem jegliche Freiheiten aus den früheren Teilen raubt. Es gibt lediglich fünf Spielbretter, wirklich sinnvolle Freischaltungen (2 Charaktere, die man nach der ersten Partie freischalten kann) fehlen, die Nicht-Unterstützung jeglicher Controller außer der alten Wiimotes, fehlende Einstellungsmöglichkeiten für Variationen im Regelwerk und total unfaire KI für Einzeilspieler sorgen dafür, dass der Titel nach ein paar Stunden bereits in der Ecke landet. Warum sind zum Beispiel alle Minispiele von Anfang an freigeschaltet und nicht wie früher erst zugänglich, wenn man sie in einer Partie durch den Zufallsgenerator erwischt hat? Warum unterstützt zumindest das tolle Badminton-Spiel nicht präzisere MotionPlus-Steuerung inklusive Bewegungserkennung, wie ein gewisses Tennisspiel schon vor etlichen Jahren auf der Wii? Ich könnte noch hunderte solcher Fragen stellen, doch bleibt mir wohl nichts anders übrig als ein, zwei Tränen zu vergießen und zu hoffen, dass dies der wirklich letzte Teil von Nd Cube gewesen ist.

Pro

  • Bowser-Party ist eine gute Idee
  • Abwechslungsreiche Minispiele
  • Schöne HD-Grafik

Contra

  • ...doch nicht ausbalanciert und zu wenig Spiele
  • Schlechtes Regelwerk aus Teil 9 übernommen
  • Zu wenig Freischaltbares/ Inhalt
  • Alte Regeln nur in amiibo-Party vorhanden
Wirklich schwach! So etwas hätte Nintendo vor 10 Jahren nicht auf den Markt gebracht. Mario Party 10 ist für mich der endgültige Tod einer ehemals geliebten Videospiel-Reihe. Die Bowser-Party hätte ein Hit werden können, wenn man mehr Wert auf Balancing und mehrere Minispiele gelegt hätte. So bleibt es nur eine nette Idee, die man genau wie den Hauptmodus dank der aus Teil 9 übernommenen, völlig verhunzten Gameplay-Beschneidung nur 2-3 Mal spielt, bevor das Spiel wieder in der Ecke landet und man bei der nächsten Party doch lieber einen alten Ableger aus dem Regal kramt. Auch die zum Teil ziemlich guten Minispiele können nicht darüber hinwegtrösten, dass einem die alten, von den Fans zurück gewünschten Regeln ohne amiibo-Figuren vorenthalten werden, man nach der ersten Partie alles Wichtige freigeschaltet hat, allgemein viel zu wenig Inhalt geboten wird und lediglich die uralten Wiimotes ohne Motion-Plus unterstützt werden. So kann ich den Titel höchstens Genre-Fans oder nicht sehr kritischen Kindern empfehlen. Wehe Nintendo kommt in ein paar Monaten mit kostenpflichtigen Erweiterungen daher. Dann verspreche ich, werde ich das Ergebnis um einen weiteren vollen Punkt reduzieren…
5.5

Für Genre-Fans

James_Pinarrow
Betreiber von Pinarrow.TV. Arbeitet seit 2008 als selbstständiger Journalist und Blogger, bevor er sich 2011 dazu entschied aufgrund seiner Erfahrungen als Grafik- & Webdesigner ein eigenes Online-Magazin (ursprünglich unter dem Titel "Gam3-News") zu gründen. Seit dem versorgt der leidenschaftliche Videospieler und Filmliebhaber die Community ohne finanzielle Interessen mit den aktuellsten News und Kritiken im Bereich Games, Kino, Serien sowie DVD & Bluray Releases.

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