In The Order: 1886 wird Geschichte neu geschrieben. Es ist eine Zeitreise in das einzigartige London des Viktorianischen Zeitalters. Hier treffen Mythen und Technologie gleichermaßen aufeinander. Als Mitglied eines Elite-Ritterordens trittst du einem jahrhundertalten Krieg bei, der den Lauf der Geschichte für immer verändern wird.

Der technische Fortschritt steht im Mittelpunkt einer Schlacht gegen einen mächtigen und uralten Feind. Diese findet fast 40 Jahre nach der Industriellen Revolution statt. Aber im Gegensatz zur tatsächlichen Geschichte wird die Industrielle Revolution bei The Order: 1886 durch das Wettrüsten der Menschen ausgelöst, die Waffen als Mittel zum Überleben in einem jahrhundertealten Krieg benötigen. Die technologischen Fortschritte, die von einigen der besten Köpfe dieser Zeit erfunden wurden, geben den Menschen erstmals in ihrem Kampf die Möglichkeit, die Oberhand zu gewinnen. Im Spiel übernimmt der Spieler die Rolle des Ritters Galahad, und trifft auf echte historische Charaktere, mit denen sich Komplotte schmieden lassen und die Galahad bei seiner Mission unterstützen. Der Spieler wird nicht nur Zeuge der Ereignisse, sondern ist aktiv daran beteiligt, die Geschichte umzuschreiben.

The Order: 1886

Spiel ich schon oder schaue ich noch? Das ist eine der zentralen Fragen, welche ich mir immer wieder beim Spielen von The Order gestellt habe. Die Cutscenes gehen derart fließend in den Gameplay-Anteil über, dass man oft erst wieder weiß ob es weiter geht, wenn Protagonist Galahad einige Sekunden in der selben Position verharrt. Wirklich großartig, solch fließende Übergänge habe ich meines Erachtens bis dato noch nicht erlebt! Dazu trägt aber nicht nur der Spielfluß ansich, sondern auch das bis jetzt beste grafische Ergebnis, der jungen Next-Gen-Generation bei. Einen grafischen Qualitätsunterschied zwischen Cutscenes und dem Gameplay gibt es nicht. Überhaupt kommt einem das ganze Spiel eher vor wie ein gerenderter Animationsfilm mit hohem Detailgrad und großen Fokus auf (foto)realistischen Look, Bewegungen und Mimiken.

The Order kommt einem aber nicht nur so vor, sondern ist wirklich mehr interaktiver Film als Spiel. Die Inszenierung der Geschichte sowie der Welt, in der diese spielt, steht definitiv an erste Stelle. Rund zwei Drittel des Spiel besteht aus Cutscenes bzw. gerenderten Szenen, von denen die meisten mit Quicktime-Events ausgestattet sind. Da lassen sich natürlich Vergleiche mit Titeln aus dem Hause Quantic Dream schwer vermeiden. Spielgewordene Filme, deren Ausgang man durch seine Entscheidungen in Quicktime-Events teilweise beeinflussen kann und keinen „wirklichen“ Gameplay-Anteil ansich besitzen. Nur verzichtet The Order aufgrund seiner straffen Geschichte auf die Entscheidungsmöglichkeiten und präsentiert sich dem Spieler als fest definierte Geschichte, an der es nichts zu rütteln gibt. Kein diesmal probiere ich es mal rechts herum oder versuche die Gegner zu flankieren, kein beim nächsten Durchgang werde ich mich anders entscheiden. Alles was wir tun, machen wir auf den von den Entwicklern vorgelegten Wegen, in der vorgegebenen Geschwindigkeit.

The Order: 1886

Mag dies wohl eine der größten Schwächen des Spiels sein und den Wiederspielwert gen Null sinken lassen, könnte es aber auch der größte Pluspunkt sein. Denn so wie die Geschichte von Ready at Dawn erzählt wird, weiß ich nicht ob minutenlange Wege abseit der Story-Route dem Spiel womöglich sogar geschadet hätten. Das Timing, mit der die Geschichte erzählt wird, stimmt haargenau mit einem Musterbeispiel für gute Erzählungen überein und bietet dem Spieler die perfekte Balance zwischen spektakulären Actionszenen und den immer wieder auftauchenden Ruhephasen. Neben den natürlichen Dialogen haben mir besonders die einzelnen Charaktere (besonders Erfinder Nikola Tesla, der tatsächlich existiert hat) gefallen, von denen jede seinen eigenen Wiedererkennungswert besitzt und einen wertvollen Beitrag zum großen Ganzen leistet. Trotzdem hätte ich gern die Möglichkeit gehabt, mich etwas mehr durch die wirklich toll designten Straßen des viktorianischen Londons zu bewegen. Zumindest während der Action-Einlagen, in denen eh keine Geschichte erzählt wird, hätte etwas mehr Freiheit garantiert niemanden gestört.

Apropos Action-Einlagen, diese machen nämlich das letzte Drittel der übrigens knapp 7-8 Stunden Spielzeit aus. Während dieser Zeit erweist sich The Order als waschechter Deckungs-Shooter. Fast alles was groß genug für eine Deckung zu sein scheint, kann auch als solche missbraucht werden. Hier warten wir auf Pausen zwischen den Salven der Gegner oder darauf, dass sie ihr Magazin leer geschossen haben, bevor wir uns vorlehnen und zurückschießen. Ab und zu kommen zwar ein paar gepanzerte Gegner in schwerer Rüstung und Schrotflinte auf uns zu, doch größenteils bleibt es beim Fernkampf, vor allem weil sich die gepanzerten Gegner eh nicht mit Nahkampfattacken ausschalten lassen. Etwas mehr Arbeit an der KI hätte an dieser Stelle also nicht geschadet. Dafür lässt uns das Spiel immer wieder staunen, wie schön Schusswechsel mit den Ressourcen der neuen Generation aussehen können. Überall um uns herum zerspringt das Inventar, wenn Kugeln durch Glasscheiben fliegen, in Vasen oder Mobiliar einschlagen und Granaten ganze Deckungen in ihre Einzelteile sprengen. Zwischendurch lockern immer wieder einige Kletter-, sowie Schleichpassagen das Ganze auf. Klar ist es unlogisch, dass man während der Schleicheinlagen im Gegensatz zu den Schusswechseln sofort mit einem Schuss getötet wird, sobald man entdeckt wurde, doch passt dies auch wieder irgendwie in dieses feste Storygerüst hinein und soll warscheinlich die Spannung an diesen Stellen fördern.

The Order: 1886

Während wir die meiste Zeit gegen menschliche Gegner antreten, ist aber auch die mystische Komponente ein ganz wichtiger Teil des Spiels. Denn der Orden ansich basiert ja auf der Legende des heiligen Grals und seiner Kraft das Leben zu verlängern. Jeder Ritter des Ordens, so auch unser Protagonist Galahad, besitzt eine Phiole mit sogenanntem Schwarzwasser, welches kurz vor dem Tod eingenommen, alle tödlichen Wunden heilt und uns wieder ins Rennen schickt. Diese Kräfte sind auch dringend nötig, ist es doch die Hauptaufgabe der Ritter gegen die übernatürlichen Wesen sprich Werwölfe zu kämpfen und die gemeine Bevölkerung vor deren Existenz zu wahren. Allerdings bekommen wir es obwohl es sich bei den Lykanern um den eigentlichen Gegner handelt, doch relativ selten mit ihnen zu tun. Besonders schade, dass die Kämpfe (spektakuläre Quicktime-Kämpfe außen vor gelassen) dann auch noch immer nach dem gleichen Muster stattfinden. Sie sind halt mehr eine wichtige Story-Komponente, die in einem eventuell folgendem zweiten Teil ausgebaut werden sollte. Denn die Geschichte in 1886 wird nicht alle Fragen bis zum Ende zum Ende beantworten und den „Zuschauer“ sogar mit einem stilistisch sehr geil gemachten Cliffhänger zurücklassen. Ich kam mir vor als hätte ich eine neue Serie gesehen, deren erste kurze Staffel nur eine Art Appetithäppchen für die nächsten, größeren Staffeln darstellen sollte, um zu schauen ob dieses Produkt überhaupt bei der Zielgruppe ankommt. Bei mir ist es definitiv angekommen, weswegen ich aufgrund der „wenigen Folgen“ natürlich etwas enttäuscht bin, doch es kaum abwarten kann, bis es (hoffentlich) weitergeht.

Pro

  • Fließender Übergang zwischen Cutscenes und Gameplay
  • Fantastische Inszenierung mit spannender Story
  • Gutes Deckungs-Shooter Gameplay
  • Bis dato beste Grafik eines Next-Gen-Titels

Contra

  • ...keine spielerischen Freiheiten
  • ...doch leider etwas zu kurz geraten
  • ...KI gehört nicht zu den schlausten
Eigentlich bin ich kein Fan von Namedropping, doch wenn man The Order mit wenigen Worten beschreiben will ist das Spiel eine Art Heavy Rain kombiniert mit Elementen aus Uncharted im viktorianischen Stil. Wir haben auf der einen Seite ein streng lineares, Story-getriebenes Spiel mit vielen Quicktime-Events und auf der anderen Seite immer wieder die Deckungsshooter- sowie Kletterpassagen. Natürlich vermisst man man die spielerischen Freiheiten gewisse Situationen anders angehen zu wollen, alternative Routen oder Entscheidungsmöglichkeiten wie es sie zuhauf im David Cage Blockbuster zu tätigen galt, doch weiß das Spiel mit seinem fantastischen Setting, einer verdammt spannenden Geschichte und der umwerfenden Grafik, von der sich einige andere Next-Gen-Spiele eine große Scheibe abschneiden können, definitiv zu beeindrucken. Das macht The Order: 1886 für mich zu einem Must-Have-Titel, welchen man sich aufgrund des geringen Umfangs zwar nicht sofort, doch wenn er etwas billiger geworden ist, auf jeden Fall zulegen sollte.
8.2

Großartig

James_Pinarrow
Betreiber von Pinarrow.TV. Arbeitet seit 2008 als selbstständiger Journalist und Blogger, bevor er sich 2011 dazu entschied aufgrund seiner Erfahrungen als Grafik- & Webdesigner ein eigenes Online-Magazin (ursprünglich unter dem Titel "Gam3-News") zu gründen. Seit dem versorgt der leidenschaftliche Videospieler und Filmliebhaber die Community ohne finanzielle Interessen mit den aktuellsten News und Kritiken im Bereich Games, Kino, Serien sowie DVD & Bluray Releases.

Hinterlasse ein Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht weitergegeben.Erforderliche Felder sind markiert *

*


Du solltest diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Anmelden

Passwort vergessen

Anmelden

Anmelden