Test: The Witcher 3 - Wild Hunt (PS4)

In The Witcher 3: Wild Hunt schlüpfen Spieler in die Rolle von Geralt von Riva, Hexer und Monsterjäger vor dem Herren, und führen die Geschichte der beiden Vorgänger fort. Im bislang größten Auftrag seines Lebens geht es um die Suche des Kindes der Prophezeiung, eine lebendige Waffe, welche die Form der Welt verändern kann. Die Reise führt durch vom Krieg gezeichnete Landschaften, mit Leben gefüllte Städte, geheimnissvolle Inseln, gefährliche Bergpässe und scheinbar längst vergessene Höhlen. Hunderte von Waffen und Rüstungen stehen zur Wahl, imposante Schwertkampf-Techniken und ganz viel Zauberkraft ergänzen die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Hexers. Doch die Zeit drängt, denn auch die namensgebende „Wilde Jagd“, eine Jagdgesellschaft übernatürlicher Wesen aus dem Nachthimmel, ist auf der Suche nach Ciri, dem einstigen Ziehkind des Hexers…

The Witcher 3: Wild Hunt Test

Auch wenn The Witcher 3: Wild Hunt eine starke Geschichte mit dichter Atmosphäre erzählt, die für sich alleine stehen kann und somit auch für Witcher-Neulinge zugänglich ist, sind natürlich die Ereignisse aus den beiden Vorgängern allgegenwärtig. So werden sich zum Beispiel viele von euch, die Assassins of Kings nicht gespielt haben, fragen, warum Geralt ständig als Königsmorder betitelt wird. Es ist also von Vorteil, wenn man sich für die Einzelheiten und Hintergründe des Witcher-Universums interessiert, die fantastischen Vorgänger (leider damals noch nicht für PlayStation erschienen) gespielt zu haben oder dies nachzuholen.

Vor allem weil sich auf dem PC der Speicherstand des Vorgängers importieren lässt und somit alle der weitreichenden Entscheidungen übernommen werden können. Dies geht natürlich auf der Konsole nicht und so bleibt dem Spieler lediglich die Möglichkeit vor Spielbeginn die Option „Spielstand simulieren?“ zu bejahen. Im Laufe der Hauptmissionen kommen wir dann an einen Punkt, an dem wir kurz und knapp über die Vergangenheit befragt werden. Nützt nur leider nichts, wenn man diese nicht kennt. An dieser Stelle hätte ich mir also für alle Neulinge und auch für mich, der Witcher 2 vor einigen Jahren gespielt hat, ein etwas detaillierteres „Was bisher geschah“ gewünscht, das den Spieler etwas genauer darüber informiert, wofür er sich entscheidet.

Doch dies ist Meckern auf höchstem Niveau. Denn der dritte Teil bietet uns neben seiner spannenden Hauptgeschichte auch mit jedem noch so kleinen Nebenquest einen detailliert ausgearbeiten Plot, von dem sich viele der Konkurrenten noch eine große Scheibe abschneiden können. Sprich hunderte von kleinen Einzelgeschichten, alle verpackt im selben, erzählerisch dichten Universum voller Krieg und Gewalt. Und tatsächlich gibt es so viele davon, dass ich immer wieder bis zu fünf/sechs Stunden damit verbrachte, keine einzige Hauptquest zu spielen, sondern den wirklich abwechslungsreichen Nebenquests zu folgen und das herrliche Dialogsystem von Witcher 3 zu genießen.

Das ganze Spiel ist komplett deutsch vertont und zusätzlich noch in englisch, polnisch und französisch (alle vier Sprachen sind in der deutschen Version auswählbar). Während der Dialoge kann sich der Spieler oft zwischen mehreren Antworten entscheiden, von denen einige sogar weitreichene Folgen haben und somit zu einem der mehreren verschiedenen Enden des Spiels führen. Außerdem vergeht kaum ein Dialog, in dem mich der zynische Geralt mit seinem schwarzen Humor nicht zum lachen bringen konnte. Die Art der Sprache fügt sich bestens in die geniale Zeichnung der Charaktere und der rauen Spielwelt ein. Wenn mir auf meinen Reisen ein Bandit zuruft „Ich reiß dir deinen Kopf ab und piss dir in den Hals“ und ich ihm ein paar Schwerthiebe später seinen eigenen Kopf vom Hals trenne, fühle ich mich als Erwachsener RPG-Fan bestens unterhalten.

The Witcher 3: Wild Hunt Test

Wer sich bereits mit dem Vorgänger beschäftigt hat, wird sich kampftechnisch schnell wieder einfinden. Immer noch trägt Geralt ein Stahlschwert für menschliche und tierische sowie ein Silberschwert für dämonische Gegner und Bestien mit sich herrum. Sobald es zu einem Kampf kommt, zieht der Hexer automatisch die für den Gegner benötigte Schwertart. Warum man allerdings nicht auch gegen Menschen mit dem meist viel mehr Schaden anrichtenden Silberschwertern kämpfen soll, erklärt das Spiel nicht. Neben dem Schwertkampf gesellen sich ebenfalls wieder die bekannten Zauber sprich Hexer-Zeichen hinzu. Igni beschwört Feuer, Quen ein Schutzschild, Yrden eine magische Falle, Axii bewirkt Gedankenkontrolle und Aard sorgt für eine Druckwelle. Manche der Zauber ermöglichen außerhalb des Kampfes sogar eine Interaktion mit der Umgebung, wie zum Beispiel das Freipusten von verschütteten Wegen mit dem Aard-Zeichen. Abgerundet wird das Arsenal von Armbrüsten und selbstgebauten Bomben mit unterschiedlichen Wirkungen.

Apropos selbst gebaut: The Witcher 3 kommt wieder mit einem umfangreichen Crafting-System daher, welches sich in Alchemie und Schmiede-Arbeiten aufteilt. Im Alchemie-Bildschirm kann der Hexer jederzeit, entsprechende Rezepte und Zutaten vorrausgesetzt, Tränke brauen, Öle zur Waffen- und Mutagene zur Attribut-Verbesserung herstellen sowie aus der Kombination kleinerer Zutaten mächtigere herstellen. Experimente sind nicht möglich. Tränke und Öle müssen diesmal nur einmal herstellen und füllen sich beim Meditieren (die Funktion Zeit verstreichen zu lassen) wieder auf. Für das Auffüllen der Tränke muss man allerdings immer ausreichend starke Alkohole im Inventar haben.

Der Schmiedekunst kann der Hexer zwar nicht selbst nachkommen, doch ist sie mindestens genauso umfangreich, wenn nicht sogar umfangreicher als die Alchemie. Zum Schmieden benötigen wir natürlich einen Schmied, ein Schema des Gegenstandes, den wir herstellen wollen sowie die entsprechenden Ressourcen. Haben wir letztere nicht vollzählig, kann man viele von ihnen beim Schmied kaufen oder Gegenstände aus seinem Inventar gegen kleines Geld beim Schmied in ihre Einzelteile zerlegen lassen. Allerdings unterscheiden sich die Schmiede in Rüstungs- und Waffenschmiede und zusätzlich noch in ihren Fähigkeiten, sodass nicht alles von jedem Schmied hergestellt werden kann. Was mich am gesamten Crafting-System etwas stört ist die Tatsache, dass man damit kein Geld verdienen kann, obwohl man ständig pleite ist. Somit sammeln sich natürlich viele Materialien und Schemata an, welche man gar nicht benötigt und nur unnötig des Menü vollmüllen.

The Witcher 3: Wild Hunt Test

Und da wären wir auch schon beim größten Minuspunkt des Spiels – das Menü. Mal abgesehen davon, dass das Menü mit einer in meinen Augen zu kleinen Schrift daherkommt, ist es oftmals einfach zu voll gemüllt, da wir stets zu viele Gegenstände mit uns herumschleppen. Das liegt vor allen Dingen an der fehlenden Möglichkeit Dinge außerhalb des eigenen Inventars wie zum Beispiel in einer Truhe oder dergleichen unterbringen zu können. So kaufen wir zwar Satteltaschen für unser Pferd (von dem aus man im Übrigen sogar kämpfen kann, was verdammt viel Spaß macht), doch anstatt sie quasi als Depot zu besitzen, erhöht sich einfach unsere Tragkraft des eigenen Inventars. Außerdem stört es mich, dass man auf der Landkarte nicht weit genug rauszommen kann und somit immer wieder mal über die riesige Landkarte „schleichen“ muss. Wenn man bedenkt, dass die Spielwelt mit über 136 Quadratkilometern umfangreicher als GTA 5 (81 km²) und Far Cry 4 (46 km²) gemeinsam ist, kann es also schon einmal dauern, bis man den gewünschten Ort gefunden hat.

Abgesehen davon gibt es eigentlich keine weiteren Kritikpunkte, höchstens ein paar persönliche Empfindungen. Das in einem derart riesigen sowie detaillierten Spiel mit Tag-/Nacht-Zyklus und extrem dichter Vegetation, die auch noch von dem dynamischen Wettersystem beeinflusst wird, ab und an auf der Konsole ein paar Texturen nachgeladen werden oder ein paar Clipping-Fehler auftauchen, ist vollkommen in Ordnung! Genau wie die kleine Bildratenreduktion bei sehr großem Gegneraufkommen, die dem flüssigen Gameplay aber in keinster Weise schadet. Vor allen Dingen wenn das ganze Spiel abgesehen von langen Schnellreisen oder nach dem Tod komplett ohne Ladezeiten auskommt!

Man kann stundenlang mit dem Pferd durch eine grafisch beeindruckende offene World reiten, Quest erledigen, Häuser und Höhlen betreten und und und…und das ganze ohne einmal zu Laden zu müssen (Überleben in einem der vier Schwierigkeitsgrade natürlich vorrausgesetzt). Wenn wir mit Geralt in der Abenddämmerung am Wasser entlangreiten, während oben am Himmel ein Gewitter tobt und uns den Regen in Strömen gen Boden sendet, dabei sämtliche einzelne Äste der Bäume und Büsche im Wind hin und her wehen und Wellen die Gischt ans Ufer spritzen lassen, während wir im Blitzlicht ein aus dem Wald herbeieilendes Wolfsrudel sehen, bleibt uns einfach nicht anderes über, als die dafür verantwortlichen Personen als Meister ihres Fachs zu bezeichnen.

Die Krönung des ganzen Spiels ist jedoch der Umfang. Auch neben den Quests gibt es verdammt viel zu entdecken: Loot an jeder Ecke, versunkene Schätze, Banditenlager, Schmugglerverstecke, Monsternester, Monster denen man noch nicht gewachsen ist, ein extrem süchtig machendes Kartenspiel names Gwint, Pferderennen, Boxkämpfe, Geralts Bart wächst (!) und noch vieles mehr. Das größte Highlight sind die Hexeraufträge. Denn die eigentliche Aufgabe der Hexer ist das Jagen und Töten von Monstern, Bestien, Dämonen, Geistern usw. die diverse Gegenden im Spiel unsicher machen. Und ein Hexer arbeitet niemals umsonst, Hexercodex eben. Haben wir also solch einen lohnenden Quest angenommen, müssen wir zuerst (wie so oft im Spiel) mit unserem übernatürlichen Hexersinn Detektivarbeit leisten und den Aufenthaltsort des Monsters aufspüren. Außerdem müssen wir uns über das Monster bzw. die Art informieren und Schwächen herausfinden, damit die Kämpfe nicht vorzeitig enden. Haben wir diese Dinge erledigt, unsere Klinge eingeölt und ein paar Tränke eingeworfen, ziehen wir mit erhobener Klinge auf dem Pferd reitend gen riesige, gefährliche und doch atemberaubend schöne Bestien – Das ist The Witcher 3: Wild Hunt!

Pro

  • Riesige, detaillierte Spielwelt ohne Ladezeiten
  • Abwechslungsreiches, flüssiges Gameplay
  • Nette Nebenbeschäftigungen wie Gwint, Pferderennen und Boxkämpfe
  • Extrem hoher Umfang (über 100 Stunden)
  • Atmosphärischer Soundtrack und sehr gute deutsche Vertonung
  • Dialogsystem, Story und Entscheidungsmöglichkeiten

Contra

  • ...ab und an nachladende Texturen
  • ...Bildrateneinbrüche bei sehr hohem Gegneraufkommen
  • Menü (unübersichtlich, kleine Schrift, Karte)
The Witcher 3: Wild Hunt ist für mich schon jetzt Spiel des Jahres 2015! Kaum ein anderes Open-World-Spiel schafft es eine derart packende Geschichte zu erzählen, wie die des Hexers Geralt. Die bis dato größte Spielwelt aktueller High-End-Games bietet nicht nur eine im höchsten Maß detaillierte Spielumgebung, sondern abwechsluchsreiche Quests und Aufgaben wie kein anderer Genre-Vertreter, fantastisches Gameplay und kommt dabei im Optimalfall sogar ohne Ladezeiten aus! Lediglich ein paar kleinere Macken (die ihr dem obigen Text entnehmen könnt) kratzen an der Genialität des Mammut-RPGs...aber auch nicht mehr als eine Feder auf Granit.
9.7

Ausgezeichnet

James_Pinarrow
Betreiber von Pinarrow.TV. Arbeitet seit 2008 als selbstständiger Journalist und Blogger, bevor er sich 2011 dazu entschied aufgrund seiner Erfahrungen als Grafik- & Webdesigner ein eigenes Online-Magazin (ursprünglich unter dem Titel "Gam3-News") zu gründen. Seit dem versorgt der leidenschaftliche Videospieler und Filmliebhaber die Community ohne finanzielle Interessen mit den aktuellsten News und Kritiken im Bereich Games, Kino, Serien sowie DVD & Bluray Releases.

1 Kommentar

  1. Der Hammer!

    Hab das Spiel jetzt durch und stimme dir fast überall zu, nur würde ich die Grafik-Bugs wie ineinanderlaufende Objekte etc. trotz des riesigen Umfangs etwas höher „bestrafen“ und dem Spiel eine immer noch sehr gute 9,4 geben!

    Antwort

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